| |
| CLAMYDIEN |
Die heimliche Infektion
Die gute Nachricht vorweg: Eine Chlamydien-Infektion ist kein Grund
zur Panik, denn sie läßt sich leicht behandeln. Wichtig ist allerdings,
daß sie rechtzeitig erkannt wird, und genau das ist das Problem: Die
meisten, die sich angesteckt haben, wissen gar nichts davon.
Allein in Österreich haben schätzungsweise 100.000 Menschen die Infektion
im Körper, das heißt, von den Erwachsenen im Schnitt jeder 30., unter
den Jugendlichen hat sie sogar jeder 16. Chlamydien vermehren sich
sehr langsam und machen anfangs oft keinerlei Beschwerden. Ähnlich
wie innere Pilze können diese Bakterien sich jahrelang im Organismus
verbergen, ohne daß wir etwas davon merken.
Wird die Körperabwehr jedoch geschwächt, zum Beispiel durch eine Krankheit
oder extremen Streß über lange Zeit, zeigt sich die heimliche Infektion.
Bei Frauen sind häufige Unterbauchschmerzen ohne erkennbare Ursache,
Zwischenblutungen und Ausfluß typische Anzeichen. Eine Chlamydien-Infektion
kann zu ernsten Krankheiten und dauerhaften Gesundheitsschäden führen.
Ein Beispiel: Bei etwa 40 Prozent der Frauen, die sich mit Chlamydien
angesteckt haben, gelangen die Bakterien bis zu den Eileitern. Die
Folge: Etwa jede fünfte dieser Frauen kann keine Kinder bekommen.
Besonders
gefährdet: Teens und Twens
Chlamydien gelangen vor allem beim Sex in den Körper. "In der
Sauna, im Schwimmbad oder auf öffentlichen Toiletten kann man sich
Chlamydien nicht holen"
Die häufigste von den sexuell übertragbaren Krankheiten ist vor allem
unter Teens und Twens verbreitet. Denn bei ihnen sind die Schleimhäute
der Geschlechtsorgane, über die Chlamydien in den Körper gelangen,
noch durchlässiger als später. Und auch das Immunsystem muß noch üben,
solche Krankheitserreger abzuwehren. Hinzu kommt: Junge Leute wechseln
häufiger den Partner als ältere. Auch aus diesem Grund ist bei ihnen
das Risiko einer Ansteckung höher.
Die Testverfahren
zur Erkennung
Seit kurzem ist ein neuer gentechnischer Test auf dem Markt. Er liefert
fast hundertprozentig sichere Befunde.
Wer sich angesteckt hat, sollte auch seine Partnerin oder seinen Partner
zum Arzt schicken. Denn die Wahrscheinlichkeit, daß beide die Infektion
haben, ist groß.
Medikamente
Frauen, die die typischen Beschwerden haben (häufige Unterbauchschmerzen
u.a.) sollten sie ärztlich abklären lassen, zum Beispiel auch mit
dem neuen LCR-Chlamydien-Test.
Bewährt haben sich Antibiotika aus der Gruppe der MAKROLIDE, die über
etwa zehn Tage eingenommen werden müssen. Seit kurzem gibt es auch
bei uns den neue Wirkstoff Azithromyzin, von dem eine einzige Dosis
genügt.
Am Anfang läßt sich die Infektion meist schnell in den Griff bekommen.
Wenn sie erst chronisch geworden ist, kann sich die Behandlung über
Monate hinziehen.
Der beste
Schutz
Die einzig wirksame Vorbeugung gegen die Erreger ist safer Sex: nur
mit Kondom.
Die möglichen
Folgen der Infektion
Was die Infektion im Körper anrichten kann, wenn sie nicht rechtzeitig
behandelt wird:
bei Frauen:
- Unterleibsentzündungen,
- ungewollte Kinderlosigkeit,
- Eileiterschwangerschaften
- immer wiederkehrende Blasenentzündungen.
bei Männern:
- Entzündungen der Harnröhre, der Prostata und der Nebenhoden,
- Unfruchtbarkeit als mögliche Folge bei Männern wird ebenfalls
diskutiert: Einige Wissenschaftler gehen davon aus, daß Chlamydien
auch das Sperma schädigen können.
bei beiden:
- Bindehaut- und Augenentzündungen. Beides kann auch bei Neugeborenen
vorkommen, wenn sie sich während der Geburt bei ihrer Mutter angesteckt
haben.
- erhöhtes Aids-Risiko: Chlamydien schädigen die Schleimhäute.
Das Risiko, sich beim ungeschützten Sex mit HI-Viren anzustecken,
steigt so auf das drei- bis fünffache,
- Lungenentzündungen in einer bestimmten Form ("atypische
Pneumonie") können auch von Chlamydien ausgelöst werden.
- auch mit Herzerkrankungen werden Chlamydien neuerdings in Verbindung
gebracht. Dabei geht es jedoch um eine andere Art dieser Bekterien,
die durch Tröpfcheninfektion (z.B. beim Husten) übertragen wird.
Zeit für einen
Chlamydien-Test?
Lassen Sie sich untersuchen, wenn
- Sie die typischen Beschwerden haben,
- bestimmte Folgekrankheiten wie zum Beispiel Blasenentzündungen
bei Ihnen immer wieder auftreten oder es Ihnen trotz Behandlung
nicht besser geht,
- Sie schwanger sind oder ein Kind haben möchten.
Da Chlamydien-Infektionen beim Sex hin und her übertragen werden,
sollte sich immer auch der Partner untersuchen lassen!
|
|